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Verbund-Hauptversammlung ohne Turbulenzen - Junktims der Kontrahenten liegen auf dem
Tisch
Die Verbund-Hauptversammlung am Dienstag ist ohne Turbulenzen über die Bühne gegangen.
Dabei haben der Bund als Mehrheitsaktionär und das Trio aus EVN, Wiener Stadtwerken und
Tiroler Tiwag, das 27 Prozent am Unternehmen hält, im Einklang die Tagesordnung abgehakt.
Nun können sich die Akteure im Verhandlungspoker um eine große rot-weiß-rote
Stromlösung wieder ungestört in das Kartenzimmer zurückziehen. Die Uhr tickt bereits:
Spätestens Ende April will Wirtschaftsminister Martin Bartenstein erste Ergebnisse auf
dem Tisch liegen haben.
Die Kontrahenten in den Kooperationsgesprächen - der Verbund und die Landesversorger -
beteuern das gute und konstruktive Gesprächsklima. Andererseits haben sich beide Seiten
schon für den Fall gerüstet, dass der Mitte 1999 abgebrochene Versuch, eine nationale
Lösung auf die Beine zu stellen, erneut schief geht. Größtes Hindernis und möglicher
Spaltpilz beim wohl letzten Versuch eines nationalen Kurzschlusses: die vom Verbund
bereits fertig ausverhandelte Wasserkraftehe mit dem deutschen Atomstromkonzern E.ON.
Diese wässrige Ehe müsste in einer außerordentlichen Hauptversammlung von mehr als 75
Prozent der Aktionäre abgesegnet werden, wiederholte ein Vertreter des elektrischen Trios
eine alte Forderung. Mit diesem Hebel hatten EVN, Wiener Stadtwerke und Tiwag die geplante
Energie Austria vor knapp drei Jahren verhindert.
Messlatte hochgelegt
Der Verbund hat seinerseits die Messlatte für die angepeilte Kooperation des Verbundes
mit den Landesstromversorgern hoch gelegt: Eine nationale Lösung muss Vorteile für alle
Partner auf allen Wertschöpfungsebenen (Erzeugung, Handel und Vertrieb) bringen. Eine
Absage an die E.ON will man aber vermeiden. Die Bestrebungen der Landesfürsten und des
Wirtschaftsministers dürften nicht die Tür zur europäischen E-Wirtschaft verschließen,
argumentiert der Verbund. Mit diesem Junktim kann E.ON wohl noch beruhigter darauf warten,
dass die auf Eis liegende Wasserkraftehe doch noch zustande kommt.
Das beredte Schweigen des deutschen Energieriesen zu dem Thema Verbund hat gute Gründe.
Die Bayern haben sehr gute Karten: In einer kleinen deutsch-österreichischen Lösung hat
E.ON Einfluss auf das größte Asset des Verbunds - nämlich die Wasserkrafterzeugung.
Kommt die große Lösung, können die Deutschen gar darauf hoffen, sich zum mächtigen
Juniorpartner der "Energie Austria neu" zu mausern.
Fiele dann die Verfassungsbestimmung, dass die öffentliche Hand die Mehrheit an den
heimischen Stromfirmen halten muss, könnte die rot-weiß-rote Lösung einen blau-weißen
Anstrich bekommen. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 20.3.2002)
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