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Globalisierungskritiker rügen die Zusammenarbeit der UN mit Unternehmen
Von Johannes Dieterich, Joachim Wille und Richard Meng
Der Weltgipfel in Johannesburg ist unerwartet optimistisch gestartet. In den
Vorverhandlungen seien Fortschritte in wichtigen Umweltfragen erzielt worden, hieß es bei
der EU. Als heftige Streitpunkte zeichneten sich das Problem der Agrarsubventionen in den
Industrieländern und der Zugang der Entwicklungsländer zu den Märkten im Norden ab.
JOHANNESBURG, 25. August. Begleitet von Straßenprotesten und einer spektakulären
Greenpeace-Aktion wurde am Wochenende der Weltgipfel der Vereinten Nationen eröffnet, zu
dem mehr als 50 000 Delegierte und Aktivisten nach Johannesburg gekommen sind. Der
offizielle Teil der Konferenz begann am Sonntagabend mit einem Kulturprogramm im
"Ubuntu"-Dorf. Am Freitagabend hatte Südafrikas Präsident Thabo Mbeki das
"Globale Forum", den von Nichtregierungsorganisationen (NGO) verantworteten
Teil, eröffnet. Er forderte die Industrienationen auf, "praktische Schritte" zu
ergreifen, um eine "nachhaltige Entwicklung zu Gunsten der Armen dieser Welt" zu
ermöglichen.
Seit Samstag verhandeln Delegierte hinter verschlossenen Türen über das politische
Abschlussdokument und den Aktionsplan des Gipfeltreffens, die in weiten Teilen noch
umstritten sind. Im Zentrum der Debatte stehen die Verpflichtungen der Staaten zur
Reduzierung der Armut, der Abbau von Agrarsubventionen in der Ersten Welt, die Festlegung
eines bestimmten Anteils von erneuerbaren Energien an der globalen Energieversorgung sowie
die Einschätzung der Globalisierung. Während er nach der Vorbereitungskonferenz in Bali
noch skeptisch gewesen sei, "bin ich inzwischen optimistisch", sagte der
Sonderbeauftragte von UN-Generalsekretär Kofi Annan, der Niederländer Jan Pronk.
Während eines "Forums zur Globalisierung" hatten Globalisierungskritiker aus
aller Welt am Samstag heftige Kritik an der Einbeziehung der Wirtschaft in die
Gipfelberatungen geübt. Aufgabe der UN sei es, Unternehmen für die von ihnen verursachte
Umweltzerstörung zur Verantwortung zu ziehen, sagte Kenny Bruno von der US-Gruppe
Corp-Watch: "Stattdessen macht der Weltbund gemeinsame Sache mit ihnen." Die
Globalisierungskritikerin Naomi Klein sagte im FR-Interview, der Versuch sei längst
fehlgeschlagen, Unternehmen zu Selbstverpflichtungen für eine nachhaltige Entwicklung zu
gewinnen.
Im Anschluss an das Forum marschierten mehrere Hundert Globalisierungskritiker zur
Johannesburger Polizei-Zentrale, um die Freilassung verhafteter Demonstranten zu fordern.
Die Polizei löste den Protestzug unter Einsatz von Schock-Granaten auf. Am Samstag
drangen Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace in einer spektakulären Aktion auf
das Gelände des südafrikanischen Atomkraftwerks Koeberg bei Kapstadt vor und brachten
ein Banner an einem der Gebäude an.
SPD und Grüne in Berlin erhoffen von der Konferenz neue Impulse für die weltweite
Umweltpolitik. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Müller erinnerte im
Gespräch mit der FR an den Umweltgipfel in Rio vor einem Jahrzehnt, der im Vorfeld
ebenfalls politisch unterschätzt worden sei, dann aber eine "ganz eigene
Dynamik" entwickelt habe und "erfolgreicher als erwartet" verlaufen sei.
Die Politik habe inzwischen weltweit ein Legitimationsproblem, wenn es um die Umwelt gehe,
und das allein sei ein Fortschritt.
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