Die Zukunft der Erde: Wie sich zwei Schlüsselstaaten auf der Weltkonferenz in Südafrika präsentieren

 

Luftnummer aus Washington

Die Vereinigten Staaten wollen in Johannesburg nicht mehr über Zeitpläne oder Geld reden und isolieren sich so immer mehr


Von Marc Hujer

Washington – Über das Wichtigste will Amerika in Johannesburg nicht mehr reden, über das Geld. Präsident George W. Bush hat aus dem fernen Washington angekündigt, wie viel die USA bereit sind für die Armen der Welt zu zahlen: 4,5 Milliarden Dollar mehr als bisher will Bush für Entwicklungshilfe ausgeben, das ist immerhin eine Verdoppelung des gegenwärtigen Budgets. Vertraute des Präsidenten weisen darauf hin, dass die USA schon heute die größte Summe für Entwicklungshilfe ausgeben. Und es heißt, Amerika sei nicht bereit, über den Betrag noch zu diskutieren. Deshalb streut die Regierung die Botschaft, Bush wolle über einzelne Aktionen reden, etwa die Wasserversorgung, aber nicht mehr über Geld. Die Staatsekretärin im Außenamt, Paola Dobriansky, betonte allerdings, wenn Amerika konkrete Vorgaben und Zeitpläne ablehne, bedeute das nicht, dass sich die USA nicht um Armut und Umwelt kümmern wollten.

Die armen Länder möchten die USA und die anderen Staaten aber zu deutlich mehr verpflichten. Gemessen an der Wirtschaftskraft stehen die Amerikaner auch weit weniger gut da, als es die absoluten Zahlen vermuten lassen. Im vergangenen Jahr gaben sie nur 0,1 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für Entwicklungshilfe aus. Damit liegen die USA nicht nur weit hinter Ländern wie Deutschland (0,27 Prozent), Großbritannien (0,32 Prozent) und Dänemark (1,06 Prozent), sie bilden sogar das Schlusslicht. Derzeit werden 0,22 Prozent der Wirtschaftsleistung der Industrienationen in Länder der Dritten Welt transferiert. Auf dem Weltgipfel in Rio 1992 waren die Amerikaner mit dabei, als die reiche Welt den Entwicklungsländern 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftskraft als Hilfe in Aussicht stellte. Sollte es diesmal neue Vereinbarungen geben, wären die Vereinigten Staaten als reichste Nation davon am stärksten betroffen.

Es ist keine leichte Aufgabe für Bush, sich als Freund der Dritten Welt zu geben. Zumal er selbst nicht nach Südafrika reist, sondern sich von Außenminister Colin Powell vertreten lässt. Sein Land gilt nicht nur als säumiger Zahler für Entwicklungsprojekte bei der Weltbank, zuletzt hat Bush auch gegen die eigene Lehre verstoßen und Afrika mit dem Schutz heimischer Agrarmärkte gestraft. Weil er sich innenpolitisch mit dem Landwirten gut stellen wollte, verabschiedete er Rekordhilfen für die Farmer Amerikas und verschloss den Staaten Afrikas damit einen großen Exportmarkt. Die Proteste waren gewaltig, denn auch die drei großen internationalen Organisationen schalteten sich ein, der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die Welthandelsorganisation. In einem einmaligen Schritt verdammten sie indirekt die amerikanische Subventionspolitik als Verstoß gegen das Versprechen, die Dritte Welt würde über den Handel einen Weg aus der Armutsfalle finden können.

Auch Kyoto ist eine schwere Hypothek, die Washingtons Delegation nach Johannesburg mitnimmt. Amerika, das Land, das fast doppelt so viel Kohlendioxid ausstößt wie Westeuropa und auch im Pro-Kopf-Verbrauch deutlich an der Spitze liegt, hat einen Präsidenten, für den Umweltpolitik nicht an vorderer Stelle steht. Der ehemalige Energieunternehmer Bush, unterstützt vom ehemaligen Ölunternehmer Dick Cheney und seinem Wirtschaftsminister, dem Ölmann Donald Evans, betreibt eine Politik, die vor allem der Industrie zu dienen scheint. „Bush hat eine grauenhafte Bilanz vorgelegt“, sagt Debbie Sease von der Umweltgruppe Sierra Club.

Es gibt allerdings auch andere Meldungen über George W. Bush, die ein wenig untergehen im Aufbrausen über seine oft gescholtene Umweltpolitik. Die Chefin der Umweltbehörde Environment Protection Agency (EPA), Christine Todd Whitman, weist darauf hin, dass Bush die Ausgaben für Klimaschutz im kommenden Jahr um 17 Prozent steigern wird. Bush will außerdem erneuerbare Energien fördern und hat dazu für die nächsten fünf Jahre 4,6 Milliarden Dollar bereit gestellt. Auch hat der Präsident inzwischen ein Alternativ-Konzept zu Kyoto vorgelegt, mit dem Schadstoffemissionen bis zum Jahr 2018 um 70 Prozent reduziert werden sollen. Das so genannte „Clear Sky“-Gesetz setzt auf Freiwilligkeit und marktwirtschaftliche Anreize, um die Treibhausgase zu verringern. Für Stickstoffoxid und Schwefeldioxid gibt es feste Obergrenzen. Kraftwerke, die nicht in der Lage sind, diese Grenzen einzuhalten, haben das Recht, Gutschriften von Unternehmen zu erwerben, die unter den festgesetzten Höchstgrenzen bleiben.






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